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Dresden: 172 Jahre alte Milchschokolade rekonstruiert

24 Nov
Dresden: 172 Jahre alte Milchschokolade rekonstruiert

Der Dresdner Wissenschaftler-Verein WIMAD, der seit 1998 die Geschichte der sächsischen Schokoladenindustrie erforscht, hat eine Zeitungsannonce von 1839 gefunden. Dort wird eine Schokolade beworben, was laut eines Sachkundigen „ein sensationeller Fund“ ist, da bislang der Konsens war, dass die erste Speiseschokolade erst 1848 auf den Markt gekommen sei.

Von zartem Schmelz kann keine Rede sein. Die Schokolade ist eher körnig, man muss ein bisschen kauen. Sie schmeckt etwas herber, als man es von Milchschokolade gewohnt ist, und etwas dunkler ist sie auch. Vermutlich hat die Schokolade, die das Dresdner Unternehmen Jordan & Timaeus 1839 in einer Zeitungsannonce beworben hat, so geschmeckt und ausgesehen. An der Professur Lebensmitteltechnik der Technischen Universität (TU) Dresden wurde sie jetzt rekonstruiert.

Gefunden hat die Anzeige der Dresdner Wissenschaftler-Verein WIMAD, der seit 1998 die Geschichte der sächsischen Schokoladenindustrie erforscht. „Das ist ein sensationeller Fund“, sagt Thomas Pape vom Leverkusener Info-Zentrum Schokolade des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie. Bislang sei Konsens, dass nach der Trinkschokolade erst 1848 die erste Speiseschokolade auf den Markt gekommen sei und erst 1875 die erste Milchschokolade. Bekannt sei aber, dass ein wesentlicher Teil der Entwicklung der Schokoladenindustrie von Dresden ausgegangen sei.

Dem historischen Rezept „kriminalistisch“ genähert

„Wir können nicht völlig ausschließen, dass jemand anders in dieser Zeit auch schon Milchschokolade hergestellt hat“, betont Yvonne Schneider, Lebensmitteltechnikerin ab der TU. Umfassende Forschungsarbeit stehe noch aus. In historischen Quellen recherchiert hat neben dem Verein WIMAD auch die Dresdner Lehramts-Studentin Miranda Benner, die die vielleicht weltälteste Milchschokolade für ihre Bachelor-Arbeit dann auch mit zusammengerührt hat.

Dem Rezept habe man sich „ein bisschen kriminalistisch“ per Ausschlussverfahren genähert, sagt Schneider: „Welche Rohstoffe und Technologien gab es damals noch nicht?“ So werde die Kakaomasse heute viel feiner gemahlen, als es damals möglich war. Auch sei das Milchpulver noch nicht erfunden gewesen, also hätten sie flüssige Milch verwendet. Nach mehreren Fehlschlägen, in denen die Masse beispielsweise kaubonbon-artig geworden sei, seien sie bei 60 Prozent Kakao, 30 Prozent Zucker und 10 Prozent Milch angelangt, erzählt Schneider. Ein bisschen hätten sie sich an dem Rezept des Schweizers Daniel Peter orientiert, sagt Miranda Benner, die Studentin. Peter gilt landläufig als Erfinder der Milchschokolade.

Schokolade ist bei Ausstellung in Chemnitz zu sehen

Die langjährige Forschungsarbeit des Vereins WIMAD ist unterdessen in eine Ausstellung gemündet, die ab Sonntag (27. November) im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz zu sehen ist. Schwerpunkt von „Das süße Herz Deutschlands – Sachsens Schokoladenseite“ ist die Geschichte der sächsischen Schokoladenindustrie. Anders als bei anderen Schauen zum Thema Schokolade werde hier der Fokus auf die Technik gelegt, sagt Museumskurator Achim Dresler. „Wir zeigen nicht nur die schönen kleinen Verpackungen und Emailletafeln, sondern auch die Maschinen.“ Das Besucherinteresse ist Dresler zufolge schon jetzt groß: Die Veranstaltung „Mitnaschausstellung“ sei bereits bis Weihnachten ausgebucht.

Wer indes die historische Dresdner Schokolade einmal probieren will, hat das Nachsehen. Das TU-Projekt sei ehrenamtlich gewesen, betonen die Beteiligten, und momentan gebe es keine Möglichkeit, die historische Leckerei in größerem Stil herzustellen. Bei der Ausstellungseröffnung gibt es Kostproben nur für ausgewählte Gäste. Ausstellungsbesucher bekommen die Schokolade aber zumindest zu sehen.

In der Anzeige von 1839 ist zu lesen, dass damals Eselsmilch verwendet wurde. Die habe man versucht zu bekommen, sagt WIMAD-Projektleiter Uwe Hessel. Aber da Esel in dieser Jahreszeit keine Junge hätten, gebe es auch keine Milch. Vielleicht könne man es ja mit Eselsmilch noch einmal versuchen, fügt Schneider von der TU hinzu. „Vielleicht ist das Ergebnis ja geschmacklich so außergewöhnlich, dass es sich lohnen würde, es auf den Markt zu bringen.“

via TU Dresden: 172 Jahre alte Milchschokolade rekonstruiert – Vermischtes – FOCUS Online – Nachrichten.

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Verfasst von - 24. November 2011 in CHOCOLATE NEWS

 

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